6. Mai - 18. Juni 2022

Cyber Wedding to the Brine Shrimp

Justyna Gorowska

in Zusammenarbeit mit Ewelina Jarosz

 

Eröffnung:  6. Mai, 18:00

Aufführung im Rahmen der Blauen Nacht:  7. Mai, 19:30 - 23:00

Künstlergespräch:  8. Mai, 14:00

 

Kuratorinnen: Aleksandra Grzonkowska und Ewelina Jarosz

 

 

Im Jahr 2021 fiel der Wasserstand des Großen Salzsees in Utah auf den niedrigsten jemals gemessenen Wert. Eine der spektakulärsten Veränderungen, die der See im 20. Jahrhundert durchmachte, war seine Teilung in zwei Teile, einen rosafarbenen und einen blauen Teil. Dies kam durch den Bau eines Verkehrsweges zustande, der beide Ufer miteinander verbinden sollte. Hinter den auffälligen, sensationell schönen Farben des Wassers stecken auf den ersten Blick unsichtbare Prozesse des langsamen, gewaltsamen Eingriffs. Diese Prozesse hängen mit der Ökonomie der Ausbeutung und des Raubbaus an einem einmaligen Ökosystem zusammen. Die Basis dieses Ökosystems bilden Salinenkrebse. Infolge der Störung des hydrochemischen Gleichgewichts des Sees, einer Auswirkung der Klimakrise, haben selbst sie Schwierigkeiten, im Salzwasser des einen oder im Süßwasser des anderen Teils des Sees zu überdauern. 

 

Im September 2021 äußerten das Künstlerduo Cyber Nymphos, bestehend aus Justyna Górowska und Ewelina Jarosz, in Zusammenarbeit mit den amerikanischen Künstlerinnen Annie Sprinkle und Beth Stephens sowie Forscherinnen des Westminster Collage am Great Salt Lake Institute, ihre Besorgnis über die Zukunft des Sees in der ökosexuellen Performance “Digitale Hochzeit”, in deren Zentrum die Salinenkrebse standen. Die ursprüngliche Idee für solche Hochzeiten stammt von Sprinkle und Stephens. Die Idee wurde jedoch weiterentwickelt und mit Augmented Reality zur Visualisierung von Salinenkrebsen als Bräute umgesetzt. Dieser Akt wurde von einer ethischen Reflexion über den Einsatz von Technologie begleitet, um eine Verflechtung von Kunst und Wissenschaft zu schaffen, die im Dienst einer ökologischen Botschaft steht. Die post-anthropozentrische digitale Lebensform erlaubte in ihrer artenübergreifenden Vermählung dem Künstlerduo die Aufmerksamkeit auf die Bedrohungen, denen die Tierwelt des Sees ausgesetzt ist, zu richten. Die Hochzeit fand in einer sog. "Hydrozän" statt. Das von Bronwyn Bailey-Charteris entworfene kuratorische Konzept ist geeignet, um eine Liebesgeschichte zwischen menschlichen und nicht-menschlichen Wasserkörpern in Verbindung mit Ökologie und den Werkzeuge der digitalen Kunst zu erzählen.

 

Diese Ausstellung ist die Natur-Kultur-Aufzeichnung von Liebe und Verantwortung nach menschlichen Eingriffen, anthropogenen Dürreperioden, geringerSchneemengen und Ungleichgewichten in der hydrochemischen Zusammensetzung des Großen Salzsees. Die Ausstellung bietet eine Post-Performance-Situation mit Hochzeitsrequisiten, von Martyna Koltun entworfenen Kostümen und HERstory der Spiral Jetty (1970), dem ikonischen Landart-Werk von Robert Smithson, das Cyber Nymphos und Joy Brooke Fairfield in ein Stück Queer Hydro-Art verwandelt haben. Die in der Ausstellung präsentierten Objekte sind Triebfedern der ökosexuellen Bewegung in der Kunst, die die Gegenwart mit Liebe und Hoffnung verfolgen, während sie den Zusammenbruch des Ökosystems betrachten. Der Begriff "Ökosexualität" wurde von von Sprinkle und Stephens geprägt und ist in der Terminologie der Umweltkunst eingegangen, um Möglichkeiten zu eröffnen, jenseits von heteronormativen Reproduktionsmustern oder konventionellen Vorstellungen sinnliche Verbindungen mit der Natur herzustellen. Wir sind uns dessen bewusst, dass in diesem Muster auch Instrumente der Bevölkerungskontrolle und der Gewinnerzielung in einem System des spätkapitalistischen Wachstums eingeschrieben sind. Diese Erkenntnis hat uns veranlasst, nach Alternativen für die Rettung der schwindenden Artenvielfalt auf der Erde zu suchen, die das sinnliche Erleben der Natur beeinhalten. 

 

Sieben Monate nach der Hochzeit, als Ergebnis eines ökosexuellen Bio-Engineerings wurde im 3D-Druck ein Salinenkrebs-Hybrid geboren. In der Ausstellung wird er aus der Traufe gehoben und wirft wichtige Fragen auf. Wie wird die Gemeinschaft in Zukunft aussehen? Wie werden Künstler:innen mit Forscher:innen zusammenarbeiten und wie können sie alle dazu beitragen, sich eine bessere Zukunft für unsere Umwelt vorzustellen und zu verwirklichen? Dadurch, dass die Aufmerksamkeit sich von der sensationellen Schönheit des Großen Salzsee auf die Klimakrise auf der Mikroebene verlagert, ermöglicht die Ausstellung verschiedene Arten der gegenseitigen Abhängigkeiten von materiellen und imaginären Realitäten des Sees im Galerieraum zu erfahren.

 

 

 

Text: Ewelina Jarosz

Übersetzung: Katharina Uziel

 

Veranstalter: CHMURA Stiftung für visuelle Kultur,  Der KREIS e.V.

Partner: Krakauer Haus in Nürnberg, Amt für Internationale Beziehungen

 

Gefördert durch:  Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit,   Adam-Mickiewicz-Institut,  Stadt Krakau

 

Dank an: Małgorzata Gmiter, Kamilla Kosmowska, Thomas May, Sylvie Preusser, Katarzyna Prusik-Lutz, Pirko Julia Schröder, Florian Tuercke, Katharina Uziel, Marta Wróblewska